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Die gefährlichsten Unternehmen der Welt

 

Hallo,

Die CDU hat ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige auf ihrem Parteitag beschlossen und schwenkt damit auf die Linie der SPD ein, deren Papier wir in der vergangenen Woche analysiert haben. Ungeklärt ist weiterhin, wie das mit den Altersverifikationssystemen funktionieren soll. Denn hier kollidieren Wunschdenken, Technik und Grundrechte massiv miteinander. Ein Teilerfolg der öffentlichen Diskussion war, dass wenigstens die von Merz geforderte Klarnamenpflicht in der immer noch von der CDU geheim gehaltenen Beschlussfassung nicht mehr vorkommen soll. Im MDR konnte ich erklären, warum diese gefährlich ist.

Wie Verifikation konkret aussehen könnte, zeigt eine Analyse von uns zu Persona. Linkedin arbeitet mit dieser US-amerikanischen und von Peter Thiel finanzierten Firma zusammen. Eigentlich ganz einfach: Man macht ein Selfie und hält seinen Ausweis an das Smartphone. Allerdings weist die Plattform nicht daraufhin, dass im Hintergrund deutlich mehr passiert und man seine biometrischen Daten nicht nur mit einer Reihe von Partnerunternehmen, sondern potenziell auch mit US-Überwachungsbehörden teilt.

Im vergangenen Sommer habe ich während unserer Gründungsphase und zahlreichen Bewerbungsgesprächen ein TV-Dokumentationsprojekt inhaltlich beratend begleitet und dafür auch vor der Kamera gesessen. Es war sehr spannend, die Entstehung einer aufwändigen TV-Doku hautnah hinter den Kulissen mitzubekommen. Medienschaffenden in Hintergrundgesprächen digitalpolitische Zusammenhänge zu erklären ist ein wichtiger Teil unserer Mission, der oft nicht sichtbar wird. Umso schöner ist es, wenn man dann auch namentlich vorkommt.

Die Doku „Die gefährlichsten Firmen der Welt“ ist am Montag vorab in der ZDF-Mediathek online gegangen und wird demnächst auch im linearen Fernsehen ausgestrahlt. In 2x45 Minuten wird der Aufstieg von Big Tech aus verschiedenen Perspektiven erklärt und welche gesellschaftlichen Fragestellungen damit verbunden sind. Ich finde sie im Endergebnis sehr gelungen und kann sie empfehlen.

Viele Grüße

Markus Beckedahl

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3 Fragen an Joris Kanowski

Joris ist Politikwissenschaftler und Senior Advisor im Zentrum für Digitalrechte und Demokratie. Er interessiert sich besonders für digitale Machtfragen. Als Fellow des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung nimmt er für uns 2026 an einer Reihe internationaler Konferenzen teil. E-Mail: joris.kanowski@digitalrechte.de

 

Du warst letzte Woche auf dem AI Impact Summit in Neu Delhi – worum ging es dort?

Der AI Impact Summit ist nach Bletchley Park, Seoul und Paris der vierte KI Gipfel und der erste im globalen Süden. Deshalb sollte es weniger um Sicherheitsfragen gehen, sondern primär um die Anwendung von KI für aufstrebende Länder. Letztendlich war es aber vor allem eine Business-Konferenz, auf der sich Indien als Tech-Nation präsentieren wollte. Eine Lesart des Gipfels ist: Die Mittelmächte schließen sich pragmatisch zusammen, um von den USA und China nicht abgehängt zu werden. Das zeigt eigentlich vor allem eines: Von einer verantwortungsvollen globalen KI-Governance kann nicht die Rede sein.

Welche Eindrücke nimmst du von dem Gipfel mit?

Der Gipfel hat viele Prominenz aus Wirtschaft und Politik vereint. Kritische Perspektiven kamen leider nur von engagierten Forschern wie Yoshua Bengio. Die Zivilgesellschaft blieb außen vor. Gegen Proteste ging die indische Regierung hart vor. Überrascht hat mich, dass KI in Indien weit überwiegend als Chance gesehen wird. Teilweise passiert das aus der Not heraus. Indien ist immer noch ein extrem armes Land. Es legt einen starken Fokus auf die Verarbeitung gesprochener Sprache, weil die Bevölkerung weniger alphabetisiert ist. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit herrscht aber oft eine Kluft. Das wurde besonders deutlich, als eine indische Uni einen Shitstorm dafür bekam, dass sie einen chinesischen Roboter als Eigenproduktion deklarierte.

Was kann Deutschland von Indien lernen?

Indien hat unter dem britischen Kolonialismus sehr gelitten. Daraus folgt ein geopolitischer Realismus. Abhängigkeiten will man vermeiden. Genau so wie in Deutschland, geht im Moment aber bei Software, Hardware und jetzt auch KI-Modellen wenig ohne US-Firmen. Deshalb wurde jetzt ein KI-Pakt für mehr Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland geschlossen. In einer Hinsicht ist Indien uns weit voraus: Mit dem Unified Payments Interface (UPI) gibt es einen offenen Standard für digitales Bezahlen. Das ist elegant, weil Google und WhatsApp Pay dort mitmachen dürfen, sich aber an Regeln halten müssen. Tun sie es nicht, könnte man sie ausschließen, weil Alternativen bereitstehen. So geht digitale Souveränität! Den ganzen Artikel darüber findet ihr hier.

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  • Die Europäische Kommission hat bestätigt, dass sich die Veröffentlichung der wichtigen Leitlinien für Hochrisiko-KI-Systeme erneut verzögern wird. Obwohl die gesetzliche Frist bereits am 2. Februar 2026 ablief, benötigt die Behörde mehr Zeit, um umfangreiches Feedback von Interessenvertretern und interne Verfahren zu berücksichtigen. Diese Verspätung reiht sich in eine Serie von Verzögerungen bei der Umsetzung des AI Acts ein, von denen auch technische Standards und nationale Zuständigkeiten betroffen sind. (Euractiv)
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Das steht an
 
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